Berliner Colloquium 2018

BERLIN Mit Sorge blickt die Welt auf Nordkoreas Entwicklung zur Nuklearmacht. Scheinbar können in naher Zukunft von dort aus selbst weit entlegene Ziele wirksam bedroht werden. Mit einem möglichen Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist ordentlich Bewegung in die Außenpolitik Koreas geraten. Das Programm zum Berliner Colloquium 2018 traf wohl eher ungewollt den Nerv der Zeit. Drei Tage lang setzten sich die Teilnehmer mit den Fragestellungen zur koreanischen Halbinsel auseinander und diskutierten, welche Konsequenzen für die globale Sicherheitsordnung zu erwarten sind.

Vor dem geplanten Treffen zwischen den Staatschefs der USA und Südkoreas, hat sich Kim Jong Un bereits bei einem Besuch in Peking die Rückendeckung seines wichtigsten Verbündeten China geholt. Kim bekannte sich unter bestimmten Voraussetzungen zu einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel. Man darf gespannt sein, welche Voraussetzungen damit gemeint sind.

Auf der anderen Seite überrascht Präsident Trump per Twitter und spricht von einem möglichen Fortschritt. Auf viele Beobachter wirkt das Treffen alles andere als gut Vorbereitet und vor allem kaum mit anderen Staaten abgestimmt. Optimisten äußern sich dagegen zuversichtlich. Vielleicht gehe es nur mit der Vorgehensweise eines Donald Trump weiter – der klassische Weg hätte zu oft eingefrorene Beziehungen hervorgebracht. Für Trump ist das Treffen Chance und Risiko zugleich. Sollte es zu einem historischen Friedensschluss kommen, wäre dies ein großer außenpolitischer Erfolg für die USA, aber vor allem für ihn persönlich.

Chinas Außenpolitik hat eine neue Zielsetzung erfahren, vom „hide & bide“ (Deng) zum „Chinese Dream“ (Xi). Sein Einfluss im asiatisch-pazifischen Raum nimmt gewaltig zu. China verfolgt konsequent die Bindung und wirtschaftliche Abhängigkeit anderer Staaten um letztlich ihre eigenen Interessen durchsetzen und wieder den Großmachtstatus erlangen zu können. Das wirtschaftspolitische Vorgehen der USA gegen China wird von Experten zum jetzigen Zeitpunkt als denkbar unglücklich angesehen.

Ziel der Gespräche müsse der Abbau des Atomwaffenpotentials Nordkoreas sein, darin sind sich die sicherheitspolitischen Beobachter einig. Nicht auszudenken welche Staaten folgen, wenn das Atomwaffenpotential Nordkoreas akzeptiert werden würde. Der Schutz vor dem gegnerischen Atomwaffenpotential mit einem verbesserten Abwehrschirm könnte zur Folge haben, dass sich Russland in seiner Erstschlagfähigkeit gehemmt fühlen könnte – ein Wettlauf den es zu verhindern gilt.

Nord- und Südkorea haben sich zwar vor kurzem bei den olympischen Spielen angenähert, eine Wiedervereinigung ist jedoch selbst für Südkoreaner nicht unumstritten. Japan fühlt sich mehr und mehr von Nordkorea bedroht. Zudem wird dort – anders als bei uns – der Einsatz von Atomwaffen als letzte Möglichkeit zum Befreiungsschlag gesehen. Insgeheim hat China wohl ein eigenes Interesse an einem natürlichen Puffer vor Südkorea, welches mit Unterstützung der USA geschützt wird. Die Entwicklungen im asiatisch- pazifischen Raum gilt es zu beobachten. Anlässe dazu wird es voraussichtlich schon bald geben.