4. Wehrtechnischer Kongress der CSUDer 4. Wehrtechnische Kongress der CSU wurde wieder einmal sehr gut besucht. In zwei Podiumsdiskussionen wurden die Themen „Bayern – Technologiestandort der Zukunft“ und „Innovation und Technik am Beispiel der Neuausrichtung der Luftwaffe“ behandelt. Unter den hochkarätigen Teilnehmern war unter anderem der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner.

Bayern – Technologiestandort der Zukunft

Thomas M. Wandinger (IAP Dienst) moderierte durch die erste Podiumsdiskussion. Aus seiner Sicht haben sich seit 1991 die sicherheitspolitischen Paradigmen mehrfach verändert. Von 1991 bis zum 11. September 2001 habe man den Kalten Krieg hinter sich gelassen. Nach 2001 erfolgte immer mehr eine streitkräftegemeinsame und multinationale Ausrichtung unserer Armee. Und seit 2011 denke man über den ressortübergreifenden Einsatz der vorhanden Kräfte nach. Damit würden wir derzeit vor einer einzigartigen Situation stehen.

Detlef Selhausen (Ministerialdirektor im BMVg) findet die bayerische Forschungslandschaft einmalig. Bayern habe eine leistungsfähige Wehrindustrie. Bayern sei das einzige Bundesland, welches im Landtag einen Arbeitskreis Wehrpolitik habe. Wehrtechnische Forschung solle man nicht in die schmutzige Ecke stellen denn sie sei Spitzenforschung.

Achim Klein (Rohde & Schwarz) stellte sein Unternehmen vor. Weltweit habe man sich mit Niederlassungen auf dem Globus vernetzt. Er stellte jedoch in den Vordergrund, dass man in Bayern bleiben möchte. Ohne Export könne man sich jedoch schwer hier halten. Man müsse und wolle die technologische Souveränität in Deutschland halten.

Prof. Dr. Klaus Thoma (Frauenhofer-Institut) blickt etwas anders in die Zukunft. Er glaubt, dass es keinen Eurofighter Nachfolger oder aber Leopard 3 Panzer mehr geben wird. Es würde sich sehr viel verändern. Beschaffungsprojekte würden keine 20 Jahre mehr dauern können, da sich das Rad in Zukunft noch viel schneller drehen werde. Es würden immer kleinere Budgets zur Verfügung stehen. Daraus folgen kleinere Stückzahlen und  kürzere Projektzeiten. Für die mittelständigen Firmen würde dies Konsequenzen, besonders in Bezug auf die Arbeitsplätze, nach sich ziehen. Das Ganze würde von dem gesteuert werden, was in unserem Nachbarkontinent – Afrika – passiere. Die Entwicklungen dort seien zum Teil Besorgniserregend.

Markus Blume (MdL, Vorsitzender der CSU-Wirtschaftskommission) möchte eine moderne Industriepolitik betreiben. Man müsse an Standortstärken arbeiten, sowohl für Forschung & Entwicklung als auch für die produzierenden Unternehmen. Wer strategische Industriepolitik betreiben wolle, müsse Luft & Raumfahrt sowie Wehrtechnologie auch einmal als strategisches Ziel benennen.

Innovation und Technik am Beispiel der Neuausrichtung der Luftwaffe

Generalleutnant Karl MüllnerNach einer kurzen Pause folgte die zweite Podiumsdiskussion. Generalleutnant Karl Müllner (Inspekteur der Luftwaffe) fasste als Bedarfsträger seine vier zukünftigen Schwerpunkte zusammen (hier nur ein kleiner Auszug):

  • Aufklärung (inkl. Überwachung wenn der erste Schuss bereits gefallen ist)
  • Führung (Echtzeitnahe Verknüpfung von Informationen und Waffenwirkung)
  • Wirkung (EF2000 als Multiroleflugzeug)
  • Unterstützung (Luftverlegbarkeit)

Man müsse die richtigen Schwerpunkte setzen und dann Veränderungen in der Truppe vornehmen. Die Fähigkeiten müssten erweitert werden um die Zusammenarbeit mit Heer und Marine zu einem Gestaltungskriterium zu machen.

Thomas Homberg (MDBA) und Andreas Hammer (Cassidian) forderten dazu auf, weiter in Wehrtechnologie zu investieren. Für zukünftige Beschaffungen empfiehlt Hammer nur maximal 2-3 Länder mit einem Projekt zu verbinden.

Der 4. Wehrtechnische Kongress endete am Nachmittag und selbst danach wurden die Gespräche am Rande der äußerst gelungenen Veranstaltung weiter fortgesetzt.