Ein klares Bekenntnis der Politik für die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie forderten viele der Redner beim “8. Tag der Luft- und Raumfahrtregionen“, der in der Augsburger Niederlassung der Firma Premium AEROTEC stattgefunden hat. Über 200 Fachleute nutzen die Gelegenheit etwas über den Luftverkehr 2050, die Zukunft der militärischen Luftfahrt in Deutschland und Perspektiven der deutschen und europäischen Raumfahrt zu erfahren. Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom BDLI-Regionalforum und bavAIRia organisiert und diente zusätzlich dem intensiven Austausch und dem Vernetzen der regionalen Akteure in der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Für die Fachveranstaltung war Augsburg erste Wahl. In dessen Umkreis arbeiten rund 18.000 Menschen in diesem Industriezweig. Historisch betrachtet hat die Branche den in Augsburg arbeiteten Menschen viele Innovationen zu verdanken. Hier schaffte Willy Messerschmitt den Schritt von der Holzbau- zur Metallbauweise. Inzwischen wird mit dem Einsatz der Kohlenstofffaser (CFK) ein neuer Innovationssprung vollzogen.

Luftverkehr 2050

Professor Dr. Mirko Hornung, Vorsitzender des Bauhaus Luftfahrt e.V., ist einer der Zukunftstreiber für die Luftfahrt. In seinem Referat verdeutlichte er, wie sich die weltweite Bevölkerung bis in das Jahr 2030 auf ca. 1 Mrd. Menschen erhöhen werde. In so genannten „Megacities“ (größer 10 Mio. Einwohner) würden die Bodenkapazität die steigende Nachfrage an Transportmitteln nicht ausreichend bewältigen können. Er prognostizierte große Passagierzahlen, die zeitnah eine relativ kurze Strecke (900nm) mit einem Transportmittel überwinden wollen. Mit Blick auf die Reisezeit liegen die größten Potenziale in einer Effizienzsteigerung der Bodenabfertigung.

Wie in vielen anderen Bereich auch, wird der Energiebedarf in der Luftfahrt drastisch steigen. Alternative (Bio-)Kraftstoffe werden zwar ihren Beitrag leisten können, jedoch bei weitem nicht ausreichen. Hybride Antriebskonzepte könnten die Lösung sein. Elektromobilität bietet auch der Luftfahrt enorme Vorteile, stellt jedoch hohe Anforderungen an die Energiespeicher. Professor Hornung sieht deshalb in der Batterietechnologie den Schlüssel zum elektrischen Fliegen.

Die Zukunft der militärischen Luftfahrt in Deutschland:
Herausforderungen, Chancen und Bedrohungen

Für Christian Scherer (CSO Cassidian) ist der Bedarf an bemannten und zunehmend auch unbemannten Luftfahrzeugen für Streitkräfte (aber auch zivile Anwendungen) unstrittig, dies zeige die weltweite Marktentwicklung. Moderne Streitkräfte können nicht ohne Luftstreitkräfte agieren. Die Verteidigung und Beherrschung des Luftraums sei stets Voraussetzung für alles andere. Neben der Forderung nach mehr Geld für die Bundeswehr, sprach Christian Scherer einige Empfehlungen des BDLI an die deutsche Politik aus, mit denen dieser wichtige Zukunftssektor gestärkt werden könnte. Diese umfassten (kleiner Auszug):

"eine Europäisierung der Zulassungsverfahren für militärische Luftfahrzeuge ... ein klares, auch durch konkrete Aufträge unterfüttertes Bekenntnis der Politik zur starken Positionierung Europas im Bereich UAS. Unbemannte Luftfahrt ist ein wesentliches Charakteristikum der Zukunft; und diese sollte nicht ohne uns stattfinden."

Von neuen technologischen Ansätzen zu Perspektiven der deutschen und europäischen Raumfahrt

Als Chef eines in Augsburg ansässigen Unternehmens freute sich Hans Steininger (Vorstand MT Aerospace AG) sehr, dass die Wahl für den diesjährigen „Tag der deutschen Luft-und Raumfahrt Regionen“ auf diese Stadt gefallen sei. Ein besseres Beispiel, welches Impulse  der „Spirit of Aerospace“ bei der  Wirtschaftskraft und Innovationsfähigkeit eines Standorts bringen könne, kenne er nicht. Die Region Augsburg habe durch kluges Zusammenwirken von Unternehmen und Standortpolitik viel bewegt.

Mit einer Empfehlung richtete sich Hans Steininger an die Entscheidungsträger. Man solle sich nicht von kurzfristigen Markttrends und am Horizont auftauchenden Wettbewerbern irritieren und verunsichern lassen, sondern „den als richtig erkannten Weg unbeirrt fortschreiten, auch wenn es manchmal schwierig erscheint. Und manchmal Mut erfordert“, sagte er. Man brauche eine Politik und Industrie, die gemeinsam Visionen entwickelt und dann eine Industrie, die diese dann konsequent umsetzt!

Bayern habe die Raumfahrtförderung der Bundesregierung seit langem mit eigenen unbürokratischen und flexiblen Programmen sekundiert, eigene Akzente gesetzt und für das Thema Raumfahrt immer ein offenes Ohr. Sein Fazit ist: Raumfahrt ist in Bayern gut aufgehoben. Dies bedeute aber nicht, dass er nicht auch Sorgen hätte, denn eine neue Raketengeneration werde früher oder später kommen. Jetzt sei kluge und mutige Politik notwendig, wenn Deutschland auch in Zukunft am Raumtransport prominent und mit technologisch hochrangigen Beiträgen teilhaben wolle. Kluge Politik sei auch notwendig, wenn die Augsburger Raumfahrt Story erfolgreich fortgeschrieben werden soll.

Impulse aus der Wirtschaft sind in der CSU angekommen

Naturgemäß bleiben bei solchen Veranstaltungen die Fachleute unter sich. Nur einige Vertreter aus der Politik haben an dem gesamten Programm teilgenommen. Dabei waren die ausgesprochenen Empfehlungen fast ausschließlich an die Politik gerichtet. Der CSU Arbeitskreis Außen- und Sicherheitspolitik (ASP) hat glücklicherweise an der Veranstaltung teilgenommen. Die Impulse aus der Luft- und Raumfahrtindustrie werden nun eine wichtige Grundlage für eine innerpolitische Diskussion sein.