Knapp 69 Prozent der Teilnehmer sprachen sich für die Einführung solcher Referenden aus.Die CSU hat erstmals in ihrer Geschichte eine Mitgliederbefragung durchgeführt. Konkret wurden die Mitglieder dazu befragt, ob sich die CSU für Volksentscheide auf Bundesebene einsetzen soll. Die Mitglieder konnten online oder per Brief über diese Frage abstimmen. Das Ergebnis wurde am CSU-Parteitag im November verkündet.

Auf dem Stimmzettel wurde als Hintergrundinformation angegeben, dass folgender Aspekt in ein neues Grundsatzprogramm aufgenommen werden soll:

Die CSU möchte künftig auch im Bund das Volk bei grundlegenden Fragen direkt beteiligen. Insbesondere bei nicht zu revidierenden Weichenstellungen und bei europäischen Fragen von besonderer Tragweite soll die Bevölkerung in Abstimmungen entscheiden. Ein Beispiel wäre die Aufnahme neuer Mitgliedstaaten in die EU.
Auch das Grundgesetz soll durch Volksentscheid mit Zweidrittel-Mehrheit geändert werden können. Die Bayerische Verfassung kann bereits durch Volksentscheid geändert werden und soll als Vorbild dienen. Der Wesenskern des Grundgesetzes (Ewigkeitsgarantie), der Grundrechte sowie förderal Ordnung sind davon ausgenommen. Ein Beispiel wäre die Aufnahme der Leitkultur ins Grundgesetzt.
Volksentscheide sollen nur gültig sein, wenn sich ein ausreichender Teil der Bevölkerung beteiligt hat.

CSU-Chef Horst Seehofer verkündete auf der CSU-Webseite: „Mein Wille ist, dass die Bürger von Zeit zu Zeit die Gelegenheit bekommen, bei wichtigen Angelegenheiten auch die politische Gestaltung zu beeinflussen. Wir verdanken ausnahmslos unsere Mandate den Bürgern. Und deshalb muss man sie ernst nehmen. Ein Ja zum Volksentscheid ist auch kein Gegensatz zur repräsentativen Demokratie“, sagte der Parteivorsitzende. Mit den bisherigen Volksentscheiden in Bayern hätte man hervorragende Erfahrungen gemacht: „Bei vielen Fragen wurde mit der Entscheidung des Volks die Themen befriedet. Ich habe das immer als Bereicherung unseres demokratischen Gemeinwesens gesehen“, sagte Seehofer.

Bei der Befragung der CSU-Mitglieder sprachen sich knapp 69 Prozent der Teilnehmer für die Einführung solcher Referenden aus, wie Generalsekretär Andreas Scheuer am Freitag auf dem Parteitag in München bekanntgab. Es beteiligten sich immerhin 52.000 der insgesamt rund 144.000 Parteimitglieder an der Befragung – was für eine Parteibefragung keine schlechte Quote ist. Von ihnen stimmten knapp 36.000 für deutschlandweite Volksentscheide.